Die Videoinstallation Moving landscape 08 sehe ich als Teil einer Reihe von Experimenten. Alle Teile der Reihe setzen sich mit der Bewegung der Kamera auseinander und thematisieren das Verhältnis zwischen Landschaft und Kamera. Charakteristisch für die vorangegangenen Experimente ist es, dass ich ausschließlich Überwachungskameras in unterschiedlichen Verwendungsweisen eingesetzt habe.
Die Aufnahmen von Moving landscape 08 entstanden in einem eigens dafür entwickelten Kamerawurfobjekt. Bis ich eine funktionstüchtige, letztgültige Form hatte, musste ich viele Fehlschläge hinnehmen und das Design immer wieder korrigieren. Schließlich verwendete ich einen 50x50 cm großen, zweigeteilten Schaumstoffwürfel mit abgeschrägten Kanten. Im Inneren platzierte ich die Kamera, das Äußere überzog ich mit LKW-Plane. Die MiniDV-Aufnahmen entstanden, indem verschiedene Personen an unterschiedlichen Orten das Objekt in die Luft warfen.
Durch das Werfen befreie ich das Kameraauge vom rein intentional gerichteten Blick. Die Zufälligkeit der dabei entstandenen Aufnahmen spielt auch in der Wiedergabe eine Rolle. Die Aufnahmen sind für mich in zweierlei Hinsicht unkontrolliert: Die Drehorte sind nicht bewusst gewählt, sondern wurden durch kontingente Laune bestimmt. Die Kamera selbst habe ich auch an Freunde abgegeben, um ein weiteres Zufälligkeitsmoment einzuführen.
Es entstanden ca. 16 Stunden Videomaterial innerhalb von 2 Wochen.
Um nahtlose Übergange zwischen den Einstellungen zu erzeugen, befinden sich die Schnittpunkte der einzelnen Szenen immer bei der bildfüllenden Darstellung des Himmels. Die Kamera scheint dadurch im Himmel frei zu rotieren – dies soll die Autonomie der Kamerabewegung hervorheben. Die konkreten Arbeitsschritte waren die, dass ich die einzelnen Video-Sequenzen, die in der Länge zwischen ein und vier - Sekunden variieren, auf einer Timeline in chronologischer Reihenfolge aufgefädelt habe und mit fünf unterschielichen Tonspuren unterlegt habe. Diese Spuren hat Wolfgang Plaschg unter Berücksichtigung auf ihre ständige Neukombination hergestellt. Jeder einzelnen Sequenz wird ein Stück Ton wieder in chronologischer Reihung zugeordnet. Aus den 280 Sequenzen entstanden dann durch meine eigene zufällige Schnittfolge fünf unterschiedliche Stunden Video-Soundmaterial, das ich wiederum in 50 verschieden lange Stücke zerteilte und mittels Zufallgenerator auf die DVDs transformierte.
Fünf Projektionsflächen stehen nebeneinander zur Betrachtung der Wurfszenarien zur Verfügung. Die Anordnung ist der Versuch, die/den BetrachterIn mit einer Unüberschaubarkeit ohne Anfang und Ende zu konfrontieren. Ich möchte in ihr/ihm das Gefühl evozieren, dass sie/er dauernd etwas verpasst bzw. nie alles gesehen hat. Bei der hohen Anzahl der Wurfeinstellungen und der zufälligen Schnittfolge ist es nahezu unmöglich, mehrmals dieselbe Abfolge von Bildern zu beobachten. Sich allein auf eine Fläche zu konzentrieren, fällt bei der Fülle an visueller Information nicht leicht. Die/der RezepientIn ist dazu aufgefordert, ihre/seine eigene Wahl der für sie/ihn interessant erscheinenden Einstellungen zu treffen. Sie/er vollzieht also eine Art Echtzeit-Filmschnitt durch die Aufmerksamkeitsverlagerung zwischen dem großen Angebot der Bildinformation. Damit entzieht sich auch der betrachtende Blick meiner Kontrolle und zerstreut sich auf die gesamte Projektionsfläche.
Die Wiederholung verortet für mich die Installation im Alltäglichen, und stellt die Erscheinungsparallele zu Gewohnheitsritualen her. Die persönliche Entscheidung zur Wiederholung resultiert vielleicht aus dem Alltagsphänomen, welches bei mir gelegentlich laufende Fernsehapparate auslösen: der Inhalt wird nebensächlich, entscheidend ist das parallel Fortlaufende.
Die ständig drehenden Bewegungen der Aufnahmen führen herkömmliche Orientierungsmuster wie oben, unten, links und rechts ad absurdum. Die visuelle Überreizung, die Monotonie, die funktionslosen Bewegungen und die Orientierungslosigkeit lenken die Aufmerksamkeit auf einen unvorhersehbaren zufälligen Punkt. Die Suche nach visuellen, narrativen oder rationalen „Haltegriffen“ führt die/den BetrachterIn hin zu seinem eigenen Erklärungsmodel.

To me the video installation Moving Landscape 08 is a section in a row of experiments. Every piece in this succession examines the movement of the camera. Characteristic for all these experiments is the diverse use of security cameras.
A specially devised image projection was used to record Moving Lanscapes 08. I had to go through many changes of the design, to arrive at my final functioning form. In the end I used a Sponge cube cut in two with 50 _ 50 cm dimensions and slanted edges. I placed the camera on the inside and covered the outside with tarpaulin. The mini-DVD recordings were made by different people throwing the object through the air.
In the act of throwing I try to liberate the camera from the purely intentional view. The randomness of the recordings plays a big part in playback. In my opinion the recordings are uncontrolled in two ways: The locations aren’t consequences of a conscious choice, yet of a contingent mood. I also gave the camera to friends to increase the factor of randomness.
16 hours of video material came to being in a matter of two weeks. As to create a seamless transition between the different settings, the points of intersection are always placed into “picture-filling” depictions of the sky. Through doing this it seems the camera is rotating freely in the air. This aims to bring out the autonomy of the camera. Precisely describing the procedure: I took the separate video sequences (length between one and four seconds) and put them on a chronological timeline with five different soundtracks. These soundtracks were created by Wolfgang Plaschg to suit the differing combinations. A piece of sound is fitted with every separate sequence in chronological order. 5 hours of video-sound material resulted out of the 280 different sequences. These I then transformed into 50 long pieces, which were put on DVDs using a random generator.
The scenes are replayed on five screens standing next to each other. The aim in doing this was to confront the viewer with a something that is by no means straight forward. The feeling that I try to evoke in the viewer, is that he/she is always missing something, never seeing everything. With the huge amount of scenes as well as the numerous sequences they are arranged in, it is almost impossible to see the same sequence twice. It is hard to only concentrate on one screen when considering the amount of visual information present. The recipient is forced to choose the screen which seems most interesting to him/her. By doing this he/she almost performs something similar to a real-life film editing, consciously cutting out some of the visual information. In this way, I am not really controlling what the viewer decides to take in, my view is not controlling. The fact that there is constant repetition creates a parallel with the everyday, the habitual.
The personal decision to work with repetition results from the everyday phenomenon- the television running the whole day long- the content becomes unimportant, what matters is the parallel continuous sequence of images. The constant rotating movement of the recordings follow a certain pattern; up, down, left, right, ad absurdum. The visual over-stimulation, the monotony, the functionless movements and the lack of orientation all guide the attention to an unpredictable random point. The search for visual, narrative or rational standpoints, leads the viewer to make come up with his/her own explanatory model.

Ausschnitt von moving landscape 08 herunterladen (1,4 MB)

Dokumentation der Installation im O.K Linz herunterladen (3,1 MB)